Debüt - Frühjahr 2017

 

 

Roman - Familiendrama - wahre Begebenheit- Missbrauch - Liebe - Hass - Aufopferung - wunderbare Settings - ein Hauch Mystik

Klappentext

India, reist in ihre Heimat nach Sarajewo, um sich mit den Energien ihrer Familie zu verbinden. Während ihres Aufenthaltes, befasst sie sich mit den Schönheiten dieser historischen Stadt und deckt mit Hilfe eines Begleiters, tragische Familiengeheimnisse auf. Unter sehr schwierigen Voraussetzungen versucht India, herauszufinden, welche Tragödie ihrer Mutter Àna widerfahren ist. Wie das Leben ihrer Großmutter Ljubica im Sumpf der Gewalt enden konnte und vor allem, wer ist ihr leiblicher Vater?

 

„Engelshunde“, ist kein Märchen, viel mehr wird hier eine fesselnde und wahrheitsgetreue Familiengeschichte erzählt. Ein Drama über Liebe und Hass. Zusammenhalt und Aufopferung.

 

Leseprobe

Prolog



„Verdammt! Jetzt tauchst du auf!“
Erschrocken, über den kehligen Schrei, der aus dem Wohnraum dröhnt, fasst Ljubica sich an die Brust. Sie streift ihre hochhackigen Schuhe ab, um ihren Geliebten in die Arme zu schließen. Wutschnaubend stakst er, mit monumentalen Schritten auf sie zu.
„Du Schlampe, vergnügst dich mit Anderen. Du bekommst anscheinend nicht genug, du nimmersattes Hurenweib!“
Mit zittrigen, langgliedrigen Fingern tastet sie an ihr goldenes Kreuz, das an einem filigranen Kettchen hängt. Naiv von ihr, in einem solchen Moment, anzunehmen, dass ihr Glaube sie schützen wird. Der ihr dargebotene, Anblick eines Teufels, flößen ihr Furchtsamkeit ein. Ihr ängstlicher Blick hastet zwischen ihrem Partner und der Türe, die ins Schlafzimmer führt. Dahinter hofft sie, dass ihre erst einjährige Tochter sowie ihr dreijähriger Sohn wohlbehütet träumen.
Gedanken drehen sich wirr im Kreis. Fragen donnern ihr durch den Kopf. Findet sie die Möglichkeit, ihn zu besänftigen? Die Verzweifelte kennt die Antworten nicht. Im zögerlichen Flüsterton versucht sie, mit ihrem Mann zu sprechen.
„Chedo, was in Herrgotts Namen ist los mit dir? Du weißt, ich hatte heute im Casino den Gesangsauftritt. Schatz, hast duʼs vergessen?“
Sie geht einen Schritt auf den Betrunkenen zu.
„Liebling, bitte, du machst mir Angst!“
Chedos Gesicht verwandelt sich in eine diabolische Fratze. Verzerrt und gerötet, pochende Adern an den Schläfen, drohen jeden Moment zu explodieren.
„Du willst dich eine gute Mutter nennen? Das ich nicht lache. Kümmere dich um deine Bälger! Ich lasse es nicht zu, dass sich meine Frau in aller Öffentlichkeit präsentiert. Du gehörst nur mir! Verstanden?“
Geifer läuft aus dem Mundwinkel des Tyrannen. Plötzlich packt er Ljubica an die Gurgel und drückt zu. Sie röchelt, versucht sich, aus dem eisernen Griff zu befreien. Todesangst ergreift die Wehrlose. Glaubt, sie müsse sterben. Oh Gott, ihre Babys wird sie niemals wieder in den Armen wiegen. Was wird nur aus ihren Kleinen?
Der Anblick in das gefrorene Blau der Iris, steigert ihre Panik. Wie sehr sie diese Augenfarbe liebte. Stundenlang verlor sie sich in ihnen. Heute schießt es tödliche Munition aus Chedos, zu Schlitzen geformten Augen. Verrauchten gelblichen Schleim spuckt er in das bleiche, erstarrte Gesicht, der röchelnden Frau. Für einen Augenblick lässt er endlich ihren Hals los. Nicht aus erbarmen. Nein, um sie im Zorn, gegen die Wand zu schleudern.
 Ein entsetzlicher Schrei verlässt krächzend ihren Mund. Durch den harten Aufprall sackt sie in sich zusammen. Der nach Schnaps riechende Mann beugt sich über ihren schmerzenden Torso. Die Geschockte fühlt sich, als seien sämtliche Knochen wie Glas in ihr zersplittert. Darauf wartend, in ihr verletztes und enttäuschtes Herz zu stoßen.
Grob fasst das Monster zwischen ihre Beine und flüstert:
„Du gehörst mir, verstanden?“
Beim Versuch, sich aus seinem ekelerregenden Betatschen zu winden, kracht die Faust in ihr Gesicht. Für einige Sekunden tanzen Sterne vor ihren Augen.
„Ich nehme dich, wann es mir passt!“
In Rage zerfetzt der Wildgewordene das elegante Abendkleid. Reißt den Slip von ihrem Leib und stößt sein Geschlecht in die wehrlose Frau. Die Frau, mit der er bisher glücklich in Harmonie lebte. Ljubica´s Welt endet mit einem Schlag.
Schmerzerfüllt erwacht sie im dämmernden Morgengrauen. Erinnerungen an die vergangene Nacht kehren erschreckend zurück. Die Gepeinigte versteht nicht, was geschehen ist. Sie fühlt sich, als sei eine tonnenschwere Last über sie hinweg gerollt. Tränen bahnen sich ihren Weg aus zugeschwollene Augen. Warum hat ihr eigener Ehemann das gemacht? Wie konnte er ihr das nur antun? Schmerzhaft versucht sie, sich zu dem Menschen zu drehen, der sie mit stählerner Umklammerung festhält. Sie fragt sich, ob sie ihr Bewusstsein verlor?
Unbeholfen berührt sie ihr misshandeltes Gesicht. Die körperlichen Verletzungen verschwinden eines Tages. Der Schmerz in ihrem Herzen, der wird nicht mehr vergehen. Chedo, das Ungeheuer drückt sie unnachgiebig an die Brust. Er schnürt ihr die Luft zum Atmen ab. Zu gern will sie sich aus dem eisernen Griff schälen, wäre die Angst nicht übermächtig.
Eine gefühlte Ewigkeit später erwacht der Mann aus einem komatösen Zustand. Er benötigt Zeit, um sich zu orientieren. Schlagartig wird ihm bewusst, was er getan hat. Reumütig sieht er seine Geliebte an. Küsst zärtlich die blau verfärbten, geschwollenen Stellen, für die er persönlich verantwortlich ist.
„Oh mein Gott, Ljubica. Was habe ich angerichtet? Bitte verzeih mir!“
 Sie antwortet nicht, schaut ihn nur fassungslos an.
„Bitte sag was.“
Er heult wie ein Baby.
„Ich – das wollte ich nicht. Ich habe zu viel getrunken und bin von Eifersucht zerfressen. Jeder bewundert dich. Du bist makellos und ich ein erbärmlicher Loser. Ich liebe dich, kann ohne dich nicht leben. Bitte verlass mich nicht.“
Schweigend wiegt sie ihren schluchzenden Gatten in der Hoffnung, die vergangene Nacht schnellstens zu vergessen. Die unsichere Frau gibt sich die Schuld für Chedos Ausraster. Auch wenn ihre Robe bis zum Boden reichte und hochgeschlossen war, verriet der seidige Stoff ihre wohlgeformten Proportionen. Zu erregend, kritisiert sie sich. Fremde Männer bewundern sie. Dessen ist sie sich bewusst. Ihr Talent ein Geschenk Gottes, zugleich ein Fluch.
Weibliche Wesen beneiden sie um die Stimme, das männliche Geschlecht verehrt ihre Schönheit. Präsente und Briefe aller Art, schicken ihre Sympathisanten regelmäßig, wodurch sich die verfluchte Eifersucht des Partners ins Unermessliche steigert. Hinter allem und jeden vermutet er eine Affäre. Streit deswegen gab es zu genüge, doch niemals ist es bis dato zu Handgreiflichkeiten gekommen. In Zukunft wird sie abendliche Auftritte nur in seiner Begleitung sowie seinem Einverständnis wahrnehmen.
Ljubica wird ihm verzeihen. Der eine Ausrutscher darf nicht zwischen ihnen stehen. Wenn es bedeutet, ihre Gesangskarriere an den Nagel zu hängen, wird sie es in Kauf nehmen. Ihre Familie ist ihr heilig. Im Innersten ist die Frau überzeugt, dass ihr Ehemann sie im Leben nicht mehr schlagen wird.