Bittertränen

Erscheint

E-Book 09.09.2017

„Mir ist so kalt.“
„Hmm, der Winter ist heuer ziemlich eisern. Hier, wickle dich in die Decke ein, dann wird’s dir gleich wärmer.“
„Danke, Paps.“
So aufmerksam kenne ich Vater nicht. Wie lieb er sich um mich kümmert.
Könnte das nur Mama sehen, vielleicht käme sie zurück nach Hause? Mir fehlt die Familie. Papa ist ein anderer Mensch. Er trinkt zwar den heißgeliebten Sliwowitz, reagiert aber nicht mehr aggressiv.
Manchmal sieht er mich eigenartig an, beobachtet jeden meiner Handgriffe. Möchte zu gerne wissen, was ihm da durch das Gehirn huscht. Am Anfang war es mir unangenehm. Ich nahm an, etwas falsch zu machen. Doch mit der Zeit bemerkte ich, dass es das nicht ist. Sobald sich unsere Blicke treffen, lächelt er mir liebevoll entgegen.
Ich dachte, wir Kinder seien ihm egal, aber da täuschte ich mich gewaltig. Heute fühle ich, dass ich ihm sehr wichtig bin und er mich von Herzen liebt. Das zeigt er mir mit zärtlichen Berührungen am Haar, oder er nimmt mich an die Hand. Ab und zu irritiert mich die Nähe. 
„Komm her, du zitterst wie Espenlaub.“
Papa zieht mich auf den Schoß. Ich sitze seitwärts auf dem Oberschenkel, nur das Wollplaid liegt zwischen uns. Er spendet mir Wärme, indem er mir den Rücken rubbelt.
„Danke, es geht schon wieder.“
Beim Versuch, mich von ihm zu lösen, trägt er mich unerwartet zur Schlafstelle. Wir liegen eingekeilt auf der Bettbank, eine weitere Decke über die frierenden Körper geworfen. Mein Kopf ruht in der Armbeuge, er drückt mich an sich. Ich spüre den Atem, dessen Wärme über die linke Gesichtshälfte streicht.
Er riecht nach Schnaps und Rauch. Ich fühle Beklemmungen, bemühe mich, mich aus dem Griff zu winden, doch ist er zu stark. Der Oberkörper presst sich an meine Rückenseite, er reibt sich an mir. Ich denke, dass auch Vater friert, warum sonst ist er mir so nahe? Er liebt mich und als dankbare Tochter spende ich ihm Behaglichkeit, wie er mir. Langsam entspanne ich mich und döse ein.
Ein leises Flüstern weckt mich. Im ersten Moment verwirrt darüber, die Orientierung zu finden.
„Grrr, süße Kleine. Du riechst so gut. Oh Gott. Hmmm.“
Träumt Papa? Ich halte die Luft an, bin wie gelähmt. Was macht er da?
„Paps, bitte …“
„Pscht ... Alles gut. Ich liebe dich.“
Nasse Lippen berühren die Wange. Zarte Küsse landen auf dem Mundwinkel, er haucht mir warmen Atem ins Ohr. Mir ist schlecht. Was bedeutet das? Ich versuche mich zu bewegen, doch will es mir nicht gelingen.
Angst. Angst schreit es in mir und ich bin unfähig mich zur Wehr zu setzen. Mit einer Hand hält er den Kopf in der Armbeuge eingeklemmt, aus der es kein Entkommen gibt, mit der anderen tastet er unter den Pullover. Igitt, die große Pranke wandert zur Brust, die in der letzten Zeit sehr schmerzt.
 Ich öffne den Mund, möchte ihm sagen, er möge damit aufhören, aber kein Ton verlässt die Lippen. Er spielt mit den Knospen als wären sie kleine Murmeln, die zwischen den Fingern rutschen.
Mir ist übel. Sein Ding presst er hart gegen die Hüfte. Es ist ekelhaft. Ich bin nur froh, dass er eine Hose anhat. Seine Hände gleiten zum Bauch. Er zerrt am Hosenbund meiner Jeans. Mit zugekniffenen Augen schicke ich ein Stoßgebet in den Himmel. Bitte lieber Gott, mach das er aufhört.
Niemand erhört mich, ich werde nicht erlöst. Plötzlich befindet sich Vaters Hand auf dem Geschlechtsteil. Sie ruht hier.

Inhalt

coming soon

„Papa, bitte nicht!“ Niemand erhört mich, ich werde nicht erlöst. Taubheit kriecht in allen Poren meines Seins. Mir ist schwindlig, die Sicht verschwommen, die Lippen beben.

Eine bewegende und wahre Geschichte, die schonungslos über die Abgründe menschlichen Seins berichtet. Worte, die berühren, zum Nachdenken anregen. Der Kampf zweier Leben, der unterschiedlicher nicht sein kann. Menschen, deren Liebe mit brachialer Gewalt zerstört wird.
Die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund. Dinge, die niemals ausgesprochen werden sollten, sind in diesem Werk verewigt. Viele Tränen wurden bei der Schaffung von „Bittertränen“ vergossen.